Frauen zeigen Gesicht


Die Idee zu dem Projekt „Frauen zeigen Gesicht“ ist schon viele Jahre alt. Sie fußt auf der Überzeugung, dass ein Portrait viel mehr sein kann als die Abbildung eines Antlitzes, im Idealfall nämlich die Offenbarung des Inneren, vielleicht gar der Seele nach außen.

In einer Zeit, in der Frauen in vielen gesellschaftlichen Bereichen noch immer viel zu selten sichtbar sind, ist es das Ziel des Projektes, mit Hilfe überlebensgroßer Portraits Frauen schlicht unübersehbar zu machen und ihre allgegenwärtige Präsenz ins öffentliche Bewusstsein zu heben.

Mit einem ergänzenden handschriftlichen Statement (eine Botschaft, ein Wunsch, eine Vision) wird den Portraitierten zugleich eine Stimme gegeben, sie melden sich zu Wort. Sie zeigen Gesicht, im buchstäblichen und übertragenen Sinn.

Dass in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Integrationszentrum der Stadt Krefeld, namentlich mit dessen Leiterin Frau Dr. Tagrid Yousef und ihrem Team, die Realisierung dieses Projektes im Rahmen der Interkulturellen Woche 2021 möglich wurde, betrachte ich als außerordentlichen Glücksfall.

Hier einige Stimmen aus dem Katalog:

Katalog zur Ausstellung "Frauen zeigen Gesicht" anlässlich der Interkulturellen Woche Krefeld 2021

Mediothek Krefeld

Einige Eindrücke von der Eröffnung der Interkulturellen Woche durch Oberbürgermeister Frank Meyer.

Auch die seinerzeitige Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, Serap Güler, stand mir Portrait

Serap Güler
Integrationsstaatssekretärin NRW

Die  Künstlerin Mauga Houba-Hausherr hat in Deutschland lebende Frauen mit Einwanderungsgeschichte porträtiert, ihnen, die sonst nicht im Rampenlicht stehen, ein Gesicht gegeben. Ihre Tuscheportraits, die auf zwei Meter hohe Fahnen gedruckt wurden, zeigen auf eindrucksvolle Weise, dass es gleichgültig ist, wo man herkommt, wie man aussieht oder an wen man glaubt.

Ann-Katrin Roschek
Journalistin

Krefeld ist als bunte Stadt inzwischen Heimat von vielen starken Frauen ganz unterschiedlicher Herkunft. Im Alltag fallen diese Frauen aufgrund ihrer besonderen Lebensgeschichten
häufig durch das Raster: Sie sind Vorurteilen ausgesetzt, sie werden nicht als Frau, sondern als Zuwanderin oder Ehepartnerin wahrgenommen, sie werden abgestempelt. Dabei sind diese Frauen genauso ambitioniert: Sie sind nicht nur Teil der Gesellschaft, sondern sie prägen diese.

Als die Künstlerin Mauga auf Dr. Tagrid Yousef als Integrationsbeauftragte der Stadt Krefeld zukam und ihr von ihrer langgereiften Idee erzählte, diesen Frauen durch Kunst ein Gesicht zu geben, war die Integrationsbeauftragte direkt Feuer und Flamme. „Frauen sind diejenigen, die den Alltag
gestalten. Sie bekommen Familie, Beruf, Eheverpflichtungen und die eigenen Bedürfnisse unter einen Hut“, schildert sie. „Und dennoch kommen sie in der Gesellschaft oft zu kurz.“ Dabei spielt es keine Rolle, welche Herkunft diese Frauen haben, sie alle vereint, dass sie ein Symbol
der Stärke sind.

Diese Stärke schafft die Künstlerin Mauga über die reduzierte Art ihrer Zeichnungen zu transportieren: Nur mit Tusche zeichnet sie ihre ausdrucksstarken Züge auf eine riesige Leinwand. Die Frauen blicken dabei frontal nach vorne – sie schauen die Beobachtenden direkt an. Mauga verzichtet bewusst auf Farben, die unterschiedlichen Haut-, Haar- oder
Augenfarben bleiben dadurch eine reine Erahnung. „Für mich macht auch das die Frauen zu einer Einheit“, beschreibt die Künstlerin. „Wir sind schön. Wir sind stark. Wir sind gemeinsam – auch in unseren Schwächen.“

Dr. Tagrid Yousef
Integrationsbeauftragte Stadt Krefeld

Frauen leben in unserer Gesellschaft immer noch unter dem Radar – vor allem, wenn aufgrund ihres Namens, aufgrund ihrer Art zu reden oder aufgrund ihrer äußerlichen Merkmale für Außenstehende internationale Einschläge sichtbar werden. Schnell öffnen sich die inneren Schubladen und diese Frauen werden kategorisiert. Fast immer werden sie dabei unterschätzt.

Frauen tragen und halten die Familienkonstellationen zusammen. Sie sind Strippenzieherinnen, sie sind Kümmerer, sie sind Alltagsverwalterinnen und sie sind diejenigen, die durch den Kontakt zu Kindergärten, zu Schulen, zu Institutionen und Freunden Integration lebendig gestalten.

Frauen können aber auch diejenigen sein, die in ihrem Herkunftsland wissenschaftliche Karrieren für ein besseres Leben ihrer Kinder in Deutschland aufgegeben haben, die studiert und gebildet ihre Werte international immer wieder überdenken, die als Protagonistinnen Verantwortung in Unternehmen oder in selbstständiger Tätigkeit tragen.

Egal, ob als Ehefrau, als Mutter, als Freundin, als Ehrenamtliche oder im Beruf: Frauen sind Macherinnen.

Solche Frauen möchten wir in unserem Kunstprojekt „Frauen zeigen Gesicht“ abbilden und durch das Erzählen ihrer Geschichte ihnen die Wertschätzung entgegenbringen, die ihnen gebührt. Alle der hier gezeigten Frauen haben eine Verbindung zu unserer Stadt: Sie leben oder arbeiten in Krefeld. Und alle diese Frauen haben eine internationale Geschichte: Manche sind selbst aus ihren Herkunftsländern geflohen, andere wurden von ihren Eltern nach Krefeld gebracht und wieder andere sind Töchter oder Enkelkinder von Generationen, die aus dem Ausland nach Deutschland gekommen sind.

(...)  wir alle sind es, die diese Gesellschaft mitgestalten.

Damals  ahnte ich noch nicht, dass die Ausstellung anlässlich der Interkulturellen Woche  der Anstoß für mehrere weitere Veranstaltungen und Präsentationen wurde. Dazu gehörte gleich zu Anfang eine Art "Werbeaktion", in deren Rahmen ich in der Mediothek Krefeld mit einer Vorab-Auswahl von Arbeiten auf die Interkulturelle  Woche hinweisen durfte. Eine Präsentation im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW fand coronabedingt nicht statt, ist aber nun für den Herbst 2022 geplant. Eine kleinere Ausstellung in Krefeld Hüls dagegen konnte im Oktober planmäßig stattfinden.

Beim Symposion Weißenseifen

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas

Dass auch meine Arbeit beim sich daran anschließenden Symposion im Künstlerdorf Weißenseifen um das Malen und Zeichnen großformatiger Portraits der anwesenden Frauen kreiste, wird sicher nicht weiter verwundern. 

Es folgte eine von Claudia A. Grundei organisierte Performance in der Kunstvitrine im Botanischen Garten Duisburg, bei der mir übrigens auch die spätere Bundestagspräsidentin Bärbel Bas Portrait stand.

Infolge dieser Veranstaltung kam die Chefin der Cubus Kunsthalle in Duisburg, Frau Dr. Claudia Schäfer, auf mich zu. Sie ermöglichte mir alsbald nicht nur eine Präsentation in den weitläufigen Räumlichkeiten der Cubus-Kunsthalle, sondern eröffnete mir auch die Chance, im Rahmen mehrerer weiterer Performances vor Ort Duisburger Frauen zu portraitieren  und das Projekt weiter bekannt zu machen.

Als äußerst hilfreich für die weitere Entwicklung erwiesen sich auch Kontakte   zum Landschaftsverband Rheinland, die von Claudia Schäfer und der ehemaligen Duisburger Bürgermeisterin Doris Janicki eingebracht wurden. Bei anschließenden Gesprächen nämlich, an denen auch die Fotografin Petra Müller und die Historikerin und frühere Frauenbeauftragte der Stadt Duisburg, Doris Freer, teilnahmen, kam die Idee auf, mein Projekt um die Portraitfotografie zu erweitern und eine Finanzierung beim Landschaftsverband Rheinland LVR zu beantragen. 

Die ersten beiden Ausstellungsorte sollen beim LVR in Köln sowie in der
cubus kunsthalle, Duisburg realisiert werden. Darüber hinaus wollen wir
die Philosophie des Projekts - die Stärke von Frauen durch ihr
Sichtbarmachen in Malerei und Fotographie - durch eine flankierende
Präsentation der Biographien der portraitierten Frauen, verfasst von
Doris Freer, noch ergänzen und unterstreichen. Die Planungen dazu haben
begonnen.

Ein weiteres Großprojekt wird schon früher, nämlich zum Internationalen Frauentag 2022 umgesetzt werden: Um den 8. März herum werden - gefördert von der Stadt Krefeld - die Kultur-Litfasssäulen im Stadtgebiet mit Frauenportraits plakatiert werden. Die Idee dagegen, zum Jubiläum der Stadt Krefeld im Jahre 2023 den kompletten Ostwall mit meinen Portraits auszustatten, ist noch ein Traum. Ich arbeite daran!

Abschließend noch einige Kataloge, in denen ich eine Reihe der entstandenen Arbeiten nach ihrem Entstehungsort zusammengefasst habe.

Das erste im Jahre 2022 entstandene Bild: "Vielleicht", Tusche auf Leinwand, 140x140 cm. Für den Text danke ich sehr herzlich meiner Freundin
Irena Zejmo.